Heute: 29. März, 2025

Ein Nachruf – Zum Tod von Claus Wilhelm Hoffmann

von
vor 2 Wochen

Vergangene Woche, am Freitag Abend, ist er im Alter von 92 Jahren gestorben. Er war bundesweit bekannt geworden als jüngster Oberbürgermeister der Republik. Als „Reingeschmeckten“ wählten ihn die Biberacher in den sechziger Jahren zu ihrem Oberbürgermeister. Überraschend. Claus Wilhelm Hoffmann war mit Leib und Seele kulturbeflissen und ausgesprochen weltgewandt. Im persönlichen Umgang immer sehr freundlich und dabei geprägt von Respekt und Umsichtigkeit. Im Gedenken an einen tatsächlich „großen“ Wahlbiberacher ein persönlich gefärbter Rückblick:

Eine der wesentlichen und auch ein bisschen typischen Anekdoten über ihn bezieht sich auf den Mirage Absturz in Birkendorf 1983. Nach dem Zusammenstoß eines französischen Kampfflugzeuges mit einem Sportflugzeug und der Beinahe-Katastrophe forderten viele Biberacher eine sofortige Rückkehr von Hoffmann nach Biberach. Hoffmann war zu dieser Zeit in Großbritannien um persönlich Henry Moore – Bildhauer (z.B. Large Two Forms in Bonn / ehemaliges Kanzleramt) – davon zu überzeugen Biberach eine Skulptur zu verkaufen… Hoffmann – so berichtet die Stadtlegende – lehnte es ab, die Reise sofort abzubrechen, letztlich hätte das an der Katastrophe ja nichts mehr geändert. Der OB zeigte sich alles andere als populistisch oder gar als ein Fähnchen im Wind der öffentlichen Meinung.

Eine andere Geschichte rund um den ehemaligen Oberbürgermeister bezieht sich auf den Künstler Wolfgang Laib. Die Beziehung des Künstlers zu Biberach war jahrelang nicht die beste und das Museum soll sich lange um den Erwerb eines Werkes bemüht haben. Letztlich hatte man Laib wohl in der frühen Vergangenheit sehr verärgert und ihm auch eine gewisse Wertschätzung versagt. Hoffmann versuchte hier irgendwann (es muss wohl Anfang der Neunziger gewesen sein) zu vermitteln, besuchte Laib in Schweinhausen und – auch hier berichtet es die Stadtlegende – setzte sich aus Versehen auf einen Milchstein (Kunstwerk) im Hause des Künstlers und verärgerte damit zusätzlich und völlig unbewusst den Künstler noch mehr. Hoffmann selbst berichtete den Vorfall in leicht geschönter Version Gaspard und schloss mit dem Fazit, er sei leider des Hauses verwiesen worden.

Hoffmann – auch wenn ihn manche in Biberach wohl nicht mochten – war als Vorstand des deutschen Städtetages bundesweit anerkannt und geachtet. Auch wenn einige seiner lokalen Entscheidungen bis heute skeptisch betrachtet werden, wie zum Beispiel den Bau der Stadthalle und den damit verbundenen Abriss des Stadttheaters, die Initiative zur Asphaltierung des Biberacher Flughafens so um 1986 oder auch die Grundstücksvermarktung während des Neubaus des damaligen Kreiskrankenhauses in dieser Zeit.

Sowohl kulturell als auch wirtschaftlich brachte Hoffmann die Stadt deutlich voran und auch im privaten Umgang erlebte Gaspard ihn als ausgesprochen angenehm und sympathisch. Letztlich bereitete er auch schon Ende der Siebziger Jahre den Boden für eine Beteiligung der Jugend in der Kommunalpolitik. Damals wurde der Vorläufer eines Jugendparlaments, der Jugendausschuss etabliert.

Die Weberberg Redaktion trauert und spricht den Angehörigen ihr Beileid aus. Claus Wilhelm möge in Frieden ruhen. Möge er den Wind dort oben umdrehen

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