Heute: 29. März, 2025

Gewalt vermeiden in krisenhaften Zeiten

Heribert Prantl, SZ Journalist im Heinz Engler Forum (Foto: Albert Gratz)
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vor 2 Wochen

Heribert Prantl skizziert Möglichkeiten, Frieden zu üben (Ein Beitrag von Walt Marten)

Hoffnung ist der zentrale Begriff, den Heribert Prantl bei seinem Vortrag vor 160 Interessierten im Biberacher Heinz-H.-Engler-Forum nannte: „Man kann die Ohren verschließen gegenüber den schlimmen Dingen, die passieren, oder der Pflicht zur Hoffnung nachkommen.“ Diese sehe nämlich das Unheil, woraus eine Pflicht zum Handeln erwachse. „Hoffnung ist nicht Optimismus, dass es gut ausgeht; Hoffnung beginnt damit, dass man sich ans Werk macht“, ist seine Erkenntnis.

Eingeladen hatten den 71-jährigen Publizisten das Biberacher Friedensbündnis, Volkshochschule, Pax Christi, Stadtbuchhandlung und evangelische Gesamtkirchengemeinde. Kulturdezernentin Verena Fürgut begrüßte ihn im Namen der Stadt.

Wie er sich das Handeln bei den aktuell so krisenhaften Zeiten vorstellt, hat Prantl in seinem aktuellen Buch dargelegt: „Den Frieden gewinnen, die Gewalt verlernen“ ist der Titel und darin legt er dar, wie die Zähmung der Gewalt, wie Entfeindung gelingen kann. „Wir brauchen eine neue Friedensbewegung, eine neue Entspannungspolitik und keinen dritten Weltkrieg – es wäre der letzte“, ist er überzeugt und stellt klar, dass dazu auch mit Menschen zu sprechen sein wird, mit denen man „kein Bier trinken würde“, wie zum Beispiel Putin. Voraussetzung für ihn dazu ist Verteidigungstüchtigkeit aufgrund gemeinsamer europäischer Sicherheit durch eine gemeinsame europäische Armee, nicht Kriegstüchtigkeit. Prantl: „Die aktuelle Geschichte ist ein gigantischer Staubsauger von bisherigen Gewissheiten, an den Reglern sitzen Autokraten und Diktatoren; Stabilität gibt es nicht mehr.“ Seine Beispiele: Die Abrüstung der Hilfsorganisation US Aid von 10.000 auf 300 Stellen, 120 Mio. Menschen weltweit sind davon betroffen. Berater wie Multimilliardär Elon Musk schlagen Präsident Trump einen US-Austritt aus der UNO vor und für sie ist das Völkerrecht eine Bedrohung der amerikanischen Macht.

Heribert Prantl (Foto: Albert Gratz)

Frieden müsse gestiftet werden. Trump sei kein solcher Stifter, sondern wolle die Rohstoffe der Ukraine ausbeuten und diese zur Aufgabe zwingen, um profitieren zu können.

In den 40ern gab das Völkerrecht Hoffnung, heute seien wir der Hoffnungslosigkeit näher. Dabei sei der Respekt vor den Völkern und dem individuellen Völkerrecht eine Entscheidung der Staatengemeinschaft, undenkbar ohne wechselseitigen Takt und Höflichkeit, ist Prantl sicher: „Erst, wenn der Geist des Krieges besiegt ist, ist der Krieg beendet.“ Das Völkerrecht definiere Werte, auf die sich alle Menschen berufen könnten und unterscheide zwischen geregeltem Krieg und Kriegsverbrechen. Damit sei Ordnung und nicht Chaos das bestimmende Prinzip, so Prantl: „In den 80ern wurde die Gefahr eines Euroshima gebannt durch Politik eines illusions- und ideologiefreien Pragmatismus.“ Die eigene Sicherheit hänge an der Sicherheit des potentiellen Gegners, sonst herrschten Barbarei und Imperialismus.

Der regionale Pax-Christi-Geschäftsführer Dr. Richard Bösch moderierte anschließend Gespräch und Publikumsdiskussion mit Heribert Prantl, wobei dieser auch eine Forderung der Friedenspädagogin Margret Johannsen nannte: „Die Stärke des Rechts anstelle des Rechts des Stärkeren“ als seinen Wunsch für eine friedliche Zukunft und für ein Schulfach Frieden, das zugleich Ethik und Religion vereint.

„Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem Anderen zu“, zitierte Berthold Seeger vom Friedensbündnis in seinem Schlusswort eine goldene Regel: „Nicht zufällig ist diese Lebensweisheit elementarer Bestandteil aller großen Weltreligionen“, sagte er, bevor er ein kleines Abschiedsgeschenk an Prantl überreichte. Dessen Appell: „Leisten wir uns die Utopie! Leisten wir uns die Friedenstüchtigkeit in kriegerischen Zeiten!“

1 Comment

  1. „…Frieden müsse gestiftet werden. Trump sei kein solcher Stifter… “

    Diese Welt gebiert regelmäßig neue, machtbesoffenen Autokraten. Wie kann man denen begegnen, und deren Saat am Aufgehen hindern, wenn sie in einigen Ländern auch noch demokratisch gewählt und legitimiert sind?

    Ich denke, wir alle müssen einfach akzeptieren lernen, dass der alte Satz „Homo homini lupus.“ auch heute stimmt. Leider.

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