Heute: 29. März, 2025

Weberberg Redakteur Alfred E. Neumann (Früher MAD) hat eine Magenverstimmung dank jungem Mann mit blauem Hemd in Ravensburg

Ausgabe der Schwäbischen Zeitung vom vergangenen Samstag.
von
vor 5 Tagen

Es ist kein Sack in Ravensburg umgefallen, also kein Reissack. Und natürlich ist Ravensburg nicht China. Soweit klar. Allerdings hat die Überschrift dennoch ihre Berechtigung. Unbedachte und hoffnungsfrohe Leser frohlockten bereits nach dem Tod eines Kommanditen ähm Kommanditisten (oder heißt das das Kommandanten?) – der Schwäbischen Zeitung vor wenigen Wochen: „jetzt wird wieder alles besser!“. Zu früh gefreut oder besser: zu früh zu positiv spekuliert. Am Samstag holte Gabriel Kords der Chefredakteur der Schwäbischen Zeitung und offenbar gerne tragender Blauhemdträger die große Meinungskeule aus dem Keller um mal wieder richtig aufzuräumen. Der Kommentar mit dem Titel „Was eben noch undenkbar war, ist jetzt plötzlich normal“ befasst sich mit der aktuellen Entscheidung rund 1 Billion Euro Schulden zu machen…

Nun hat natürlich nicht nur die Schwäbische Zeitung professionelle Meinungsäußerer am Start. Gerade die ältere Generation (die auch ZDF schauen) kennen noch Alfred E Neumann. Fast ein halbes Jahrhundert oder mehr ist es her, dass der Junge mit Zahnlücke in der Fachzeitschrift MAD wichtige Hinweise auf gesellschaftlichen Wahnsinn gab. Bei der wochenendlichen Redaktionskonferenz erklärte Alfred seine Meinung zu Gabriel Kords. Gaspard vermeidet jetzt die brutale schwäbische Ausdrucksweise unseres Zahnlückenträgers und formuliert das mal geschönt so: „Was soll der von Waschmittelschaum geprägte Text von dem jungen Spritzer?“ Hier spürt man schon, dass Alfred mal auch in einer Satirezeitschrift Chef war. Aber dennoch hat sowas natürlich einen ernsten Kern.

Nach zwei Valium, einem Beruhigungstee und einem Gespräch mit unserer Redaktionspsychologin Amelie Pachulke erklärte Alfred uns dann folgendes:

Nach dem das Eliten- und Politikerbashing nach Vorbild Trumps auch hierzulande längst hoffähig geworden ist, ist es nun wirklich nicht weiter verwunderlich, dass Gabriel Kords in seiner als Chefredakteur verantworteten Zeitung ebenfalls zu diesem Mittel greift: Die Klimaneutralität wird von Kords in seiner Kolumne als Propanz bezeichnet. Der Duden erklärt Propanz mit den Synonymen Schreckgespenst oder Strohpuppe.

Gabriel Kords fischt scheinbar erneut am rechten Leserrand und bedient sich gängigen AfD-Narrativen. Abschätzig spricht er in seinem Titelkommentar von einer angeblich korrupten „Ökolobby“. Zitat: „Dass die Gelder wohl vor allem in die Taschen der Ökolobby fließen werden, und das Weltklima trotzdem nicht zu retten ist: geschenkt.“

Da kann man ja getrost so weitermachen wie bisher, nach dem Motto „Freie Fahrt für freie Bürger…“ wie praktisch für die Industrie und für uns alle. Mit seinem Kommentar hat Kords wieder einmal mehr gezeigt, welches Herren Kind er ist. Das Tragen eines blauen Hemdchen auf seinem in der SchwäZ abgedruckten Portraitbild wäre deshalb gar nicht mehr notwendig…

Soweit Alfred (E. Neumann). Aber da gibt es noch ein wenig zu ergänzen, denn tatsächlich hat der Cheftonangeber Kords (Redakteur Wilms (NORDKURIER) würde sich freuen und auch mal gerne den Posten von Kords übernehmen!) da noch eine kleine Fußangel in seinem Text versteckt, die selbst Alfred übersehen hat, Kords schreibt:

Seine Union griff gemeinsam mit SPD und Grünen völlig unumwunden zu einem staatspolitisch mindestens zweifelhaften Trick, um die bei den Wahlen eigentlich verloren gegangene Zweidrittelmehrheit für Verfassungsänderungen doch noch zu erreichen.

Was Kords hier als „Trick“ beschreibt, wurde vergangenen Montag als verfassungsgemäß zulässig vom Bundesverfassungsgericht erklärt. Und das ist der eigentliche Punkt. Kords vermittelt damit die Auffassung, dass das Bundesverfassungsgericht „zweifelhafte Tricks“ zulässt. Das wiegt schwerer als der ganze Rest, denn damit befeuert Kords sowohl Verschwörungstheorien, wie auch Politikverdrossenheit. Extralob Herr Kords! So geht Populismus, gut gemacht! (Ironie aus!)

Ach ja, übrigens hat ja auch der Bundesrat zugestimmt. Um das noch klar herauszuarbeiten: Man muss das ganze Gedöns um Verschuldung und Aufrüstung nicht gut finden, das kann man durchaus auch kräftig kritisieren, nur ist es ein kleiner aber feiner Unterschied ob man was per Dekret (Bsp.: Trump) oder als Autokrat (Putin) einfach mit Federstrich durchsetzt und verordnet oder mühsam durch Kompromissfindung und eine Prüfung durch das Bundesverfassungsgericht. Dass Merz für die CDU im Vorfeld gelinde gesagt die Realität geschönt dargestellt hat, mag ärgerlich sein, ist aber kein Grund alles in einen Topf zu werfen. Wie sagte es CDU Mensch Kiesewetter sinngemäß so schön, da hatte der Habeck halt doch irgendwie recht… Wohlgemerkt allein in der Wahrnehmung eines Finanzbedarfs, den ein CDU Merz im Wahlkampf völlig ausschloss. Aber das ist eben eine andere Baustelle als pauschales Politikerbashing.

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