Die gesamte Liebherr Gruppe hat als „Ganzes“ einen Rekordumsatz zu melden. War abzusehen und ist nicht überraschend. Erinnern wir uns an vergangenen Herbst, da war klar ein 2 Milliarden Auftrag geht an Liebherr zur Produktion von riesigen Elektrokippern für den Minentagebau in Australien. Hergestellt werden die Elektrokipper in Werken in Frankreich und Kanada.
Vor Ort hier in der Geburtsregion von Liebherr siehts dann tatsächlich nicht ganz soo toll aus, auch wenn natürlich die Firmenleitung das gerne dramatisiert und strategische Entscheidungen trifft, zur Gewinnmaximierung. Das ist nun mal ein Grundprinzip der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung und jammern gehört genauso zum Geschäft wie trommeln. In der Region gab es Kurzarbeit bei Liebherr in Bad Schussenried (Mischtechnik), wo ja voraussichtlich auch bis zu 300 Arbeitsplätze wegfallen werden, in Biberach im Kranwerk, bei den Hausgeräten in Ochsenhausen und in Kirchdorf bei den Komponenten sowie den Hydraulik Baggern. Kurzarbeit gab es überall dort, wo der Konzern direkt an der Baubranche und dem Wohnungsmarkt hängt. Gaspard hatte erst vor kurzem Gelegenheit mit den jeweiligen Betriebsräten in Ulm zu sprechen und die Wahrnehmung in manchen Firmensegmenten ist dann doch reichlich unterschiedlich wie „schlimm“ die Lage tatsächlich ist.
Beginnen wir mit Bad Schussenried und da kommt selbst ein unbedarfter Beobachter ein wenig ins Grübeln. Wenn nun dreihundert Arbeitsplätze nach Osteuropa verlagert werden und die Firmenleitung argumentiert, dass dort die Nebenkosten viel geringer sind – sowohl Energiekosten, wie Sozialversicherung und und und – fragt man sich natürlich schon warum dann nicht der gesamte Betrieb zugemacht wird. Planung und Verwaltung bleiben in Bad Schussenried. Sozusagen ein Trostpflästerchen. Man kann natürlich auch mal ganz dreist fragen wie steht es eigentlich mit der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft als Ganzes? Fühlt man sich gegenüber der Gesellschaft die einem Kurzarbeit finanziert nicht auch verantwortlich? Wenn ein Konsortium in Frankreich und Kanada und einem Holding Sitz in der Schweiz insgesamt Rekordumsätze macht, ist es dann ok, wenn man die zur Zeit schlechter laufenden Bereiche gewinnmaximiert? In einem Supermarkt werden ja letztlich auch nicht einfach Lebensmittel mit geringer Gewinnmarge oder teils sogar mit Minusbilanz einfach aus dem Sortiment entfernt. Werbefachleute wissen, dass z.B. Bananen meist defizitär angeboten werden.
Die Gesellschaft hat sich daran gewöhnt, dass die positiven Effekte der Diversifizierung akzeptiert werden, – ohne all zu großes Murren. Da wird die Produktion von Computerfestplatten nach Polen verlagert, dann auf die Philippinen, nach Myanmar, zurück nach Deutschland und ganz zu Schluss nach China. Weil billiger. Dann die Überraschung, während der Pandemie wird’s irgendwie eng. Kein Nachschub, hoi! Soll die Gesellschaft auch die negativen Aspekte akzeptieren? Also Abhängigkeit von langen Transportwegen, Abhängigkeit von friedlichen, handelsbereiten Nachbarstaaten und Treu und Glauben, dass ein Unternehmen nicht nur gewinnmaximiert, sondern auch soziale Verantwortung und menschenwürdige Arbeitsbedingungen bietet und nicht nur auf Befriedigung der Aktionäre aus ist. Man sollte darüber vielleicht nachdenken – nicht nur über 14,6 Milliarden Euro Umsatz in der Liebherr Gruppe.